prozessarbeiter

Ich bin ein Prozessarbeiter.

Das ist eine grosse Herausforderung für mich.
Konkret bedeutet dies, dass ich nicht mit einer vorgefertigten Methode komme. Konkret heisst das, dass ich Menschen nie sagen kann, was genau bei meiner Arbeit geschehen wird. Denn ich weiss es selbst nicht. Ich weiss nur, dass es geschieht.

In unserer Alleswisserwelt ist das wieder einmal ein Manko.
Menschen wollen wissen.
Vorab.
Alles.
Ganz genau.
So können sie ihre Erwartungsliste beim Arbeiten zücken und Punkt für Punkt abhaken.

Ich mache, wie so oft, auch hier einen Strich durch die Rechnung.

Prozessorientiert arbeiten heisst, sich ganz auf den Menschen einlassen.
Mit ganz meine ich ganz.
Komplett.
Ohne Zurückhaltung.
Filterlos.
Offen.
Ganz eben.

Prozessorientiert arbeiten bedeutet, dass ich mir zwar einen inhaltlichen Ausgangspunkt festlege, beispielsweise eine Übung, die ich aber bereit sein muss, über den Haufen zu werfen, wenn es für einen Menschen nicht passt.
Davon abgesehen, dass selbst dieselbe Übung bei jedem ganz anders abläuft.

Denn jeder Mensch ist anders.

Prozessorientiert arbeiten bedeutet, dass ich täglich an meinen Werkzeugen arbeiten muss.
Ich muss sie einerseits in Schach halten, damit sie nutzbar sind. Und andrerseits muss ich selbst mit ihnen arbeiten, damit ich sie nutzen kann. Ich muss mein Werkzeug kennen, damit ich es zur Verfügung stellen kann.
Den anderen Menschen.

Mein Werkzeug bin ich.

Prozessorientiert arbeiten bedeutet auch, dass Menschen nach unserer Arbeit nie sagen können, was genau wir gemacht haben. Sie wissen nur, dass es geschehen ist, denn danach ist alles anders.

Ja, so arbeite ich.
Es hat mich viel Überwindung gekostet, dazu zu stehen.
Nicht weil ich nicht davon überzeugt bin. Nein. Sondern weil es so schwer zu verkaufen ist. So schwer an die Menschen zu bringen, denn die meisten wollen vorab wissen.
Und ich verlange, dass sie kommen und vertrauensvoll bereit sind, sich auf das Unbekannte einzulassen. Auf das, was sie in sich selbst noch nicht kennen.

Ich gehe weiter diesen Weg, denn ich glaube an ihn. Und die Menschen, die zu mir finden, erleben ihn und sich selbst und erkennen seine Kraft.
Ich finde immer besser Worte für all das, was ich nicht beschreiben kann. Je mehr Menschen durch meine Arbeit gehen, desto mehr Worte habe ich. Und auch desto mehr unterschiedliche Prozesse.

Ich arbeite intuitiv.
Instinktiv.

Das kann ich mir nur deshalb erlauben, weil ich mein Werkzeug kenne. Ich kenne meine Stimme, meinen Körper, meinen Ausdruck.
Ich kenne die Mechanismen, die ineinander wirken. Und aufeinander.
Ich verstehe sie in der Tiefe.
Nur deswegen kann ich instinktiv arbeiten, sonst wäre es Schabernack.

Ich bin Prozessarbeiter.

Das ist unbequem für Menschen, denn es kommt auf jeden Einzelnen an. Es gibt kein Verstecken.
Und es ist das Schönste überhaupt für Menschen, denn es kommt auf jeden Einzelnen an, es gibt kein Verstecken.

 

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.