immer diese raster…

Wieder in Frankreich habe ich mehr Ruhe und mehr Netz.
Und so schreibe ich hier auch mehr.

Ich war letzte Woche in Stuttgart auf einem Fest geladen. Es war eine Zeitreise in meine frühen Zwanziger. Damals wohnte ich in einer WG mit Wirtschaftswissenschaftsstudenten. Es gingen täglich viele WiWi-Kommilitonen durch die stadtzentral gelegene Wohnung. Kein Wunder, wir waren ein lässiger Haufen.
Ich war in der Konstellation das bunte Huhn, die schrille Tante, das etwas andere Weib eben.

Ich sang damals bereits und von dieser WG zog ich direkt ins Tessin, wo ich infolgedessen meine Theaterausbildung absolvierte.

Nun, dieses Fest wurde von einem der damaligen WG-Bewohner organisiert. Ein Lebensfest mit vielen Menschen seines Lebensweges. Und da ich Teil dieses Weges bin, war auch ich dort.

Ich hatte Gespräche mit Menschen aus so ganz anderen Berufsfeldern wie meinem. Immer wieder spannend. Manchmal kollidierend.

In einem Gespräch ging es immer wieder um meine Arbeit:

Ja aber, was machst du denn genau?
Warum kommen denn die Menschen zu dir?
Die müssen doch ein Problem haben!
Welche Lösung für welches Problem verkaufst du denn nun?
Es muss ein Problem geben!
Wer kommt denn da?
Was tust du?
Aber das geht doch so nicht! Wie finden die Menschen dich?
Wie können sie dich finden, wenn sie nicht wissen, wo sie suchen müssen? Bzw wenn sie nicht wissen, welche Lösung du für sie hast?
Was bringt es ihnen, wenn sie zu dir kommen?

Es ging alle Marketingfragen hoch und runter und wieder hoch… und wieder runter.

Inzwischen kann ich gelassen lächeln bei sowas.
Jaja, ich passe nicht ins Raster, ich weiss.
Die Menschen kommen aus Neugierde.
Oder weil sie wissen, dass sie kommen müssen. Jetzt. Zu mir.

Warum?
Keine Ahnung, ich frage nicht nach.

Ich will nur ihren Vornamen wissen, der Rest interessiert mich nicht. Lebensläufe und Vergangenheitszertifikate jucken mich nicht.
Ich bin im Hier und Jetzt mit ihnen. Und da arbeiten wir. Direkt. Roh. Ohne Umschweife und Zierde.

Und woran?
Na, an dem, was ansteht.
Woran sonst?

Das macht Menschen verrückt, ich weiss.
Damit kann ich leben.
Selbst die Menschen, die bereits mit mir gearbeitet haben, können nicht sagen, was da passiert. Denn für jeden passiert etwas anderes.
Das ist so bei Menschen.
Ich bin immer verwundert, wenn es Generalangebote für Jedermann gibt. Wer bitte ist Jedermann?

Vielleicht bin ich der Mensch, zu dem alle Nichtjedermänner und -frauen kommen. Es stimmt, meine Teilnehmer sind immer besonders.
Ich dachte auch mal, vielleicht sollte ich analysieren, welcher Schlag Mensch zu mir kommt und daran meine Zielgruppe definieren?

Ich habe aber alles drin:
Kunsthandwerker, Beamte, Programmierer, Militär, Bibliothekar, Therapeuten jeglicher Art (Körper, Psyche, Aroma…), Pfleger, Rentner, Lehrer, Tänzer, Sänger, Architekt, Coach, Verkäufer, Arzt, Journalist, Autor…

Ich arbeite mit Selbstständigen und Angestellten.

Mit allen Altersklassen, inzwischen von Mitte 20 bis Ende 60.

Mit Mann und mit Frau.

Mit körperlichen Gebrechen und ohne.

Mit Menschen, die mich lange schon lesen, aber auch mit solchen, die nichts von mir wissen und ganz spontan einem Impuls gefolgt sind. Oder einer Empfehlung.

„Ich muss in meinen Körper zurück. Ich wusste, du kannst mir da helfen.“
„Ich komme wegen meiner Stimme, habe aber das Wort „Sinne“ ausgeklammert, merke ich gerade. Ohje…“
„Ich komme, weil du mich dorthin führst, wo ich selbst nicht hingehen will. Und das ist geil.“

Alle haben unterschiedliche Motivationen.
Und verschiedene sogenannte Probleme.
Und genau das finde ich genial.

Ich mache kein Angebot für Menschen, die ein bestimmtes Problem haben und dafür eine bestimmte Lösung suchen.

Ich mache Menschenarbeit.
Ich arbeite am Ausdruck.
Mit jedem Einzelnen.
Jeder ist einmalig.
Wir graben, wir schürfen, wir suchen.
Wir lachen, wir weinen, wir probieren aus.
Wir spielen, wir entdecken, wir forschen.

Es geht immer um Kraft.
Um Haltung.
Um Unmittelbarkeit.
Um Spontanität.
Um zu sich stehen.
Um Selbsterkennen.
Um Menschlichkeit.

Aber was ist das wiederum konkret…?
Tja.
Mein Basiskurs eben.

.

.

Foto:
Heike Zanini (link)

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.