kunst und therapie

Ich arbeite mit Ausdruck.

Ich gehöre zu den Kunstschaffenden, die ihr eigenes Inneres nutzen, um damit zu arbeiten.
Ich selbst stehe nicht auf dekorative Kunst, sondern ich liebe es, wenn Kunst meine Eingeweide bis in die letzte Pore bewegt.
Das ist so.
So bin ich.

Ich arbeite mit Ausdruck.
Seit vielen Jahren inzwischen.
Irgendwann dachte ich, ich könnte nicht mehr mit Menschen arbeiten, da mein Lehren so nahe am Menschen ist. So ganz nahe. So persönlich. So tief.

Logisch.
Ich arbeite ja schliesslich mit Ausdruck.
Das ist das Innere, das sich nach Aussen drückt.
So definiere ich Ausdruck.

Ich machte eine Weiterbildung zum psychologischen Berater. Ich musste mich irgendwie wieder einreihen, gewiss auch absichern, denn ich wollte ja im deutschsprachigen Raum arbeiten. Im Zertifikatstempel.
Ich dachte, ich bräuchte das, um legitim zu sein.
Weil ich so menschennah arbeite.

Das war Quatsch.
Manchmal ist mein Innen, das nach Aussen drückt, nur Unsicherheit und Angst. Unreflektiert und angepasst. So kann ich auch sein.
Immerhin habe ich heute ein Zertifikat, das irgendwo verstaubt. Was ich in dieser Weiterbildung inhaltlich gelernt habe, lag schon weit hinter mir in meiner eigenen Entwicklung.

Als Mensch, der mit seinem eigenen Inneren arbeitet, habe ich jahrelang auch auf psychologischer Ebene an mir gearbeitet. Mit dementsprechend ausgebildeten Menschen.

Ich bin nicht ausgebildet für therapeutische Begleitung.
Ich biete keine Therapie an.
Ich bin nicht dazu befähigt, Menschen therapeutisch zu begleiten.
Und darauf lege ich Wert.

Ich mache künstlerische Ausdrucksarbeit, die zwar unweigerlich in die Tiefe geht. Ja, das tut sie.
Und ja, wir arbeiten an unseren Sümpfen, denn ich glaube fest daran, dass dort unsere Schätze schlummern.
Mit Sumpf bezeichne ich einerseits unsere unbewussten Anteile oder aber die ungeliebten Teile unseres Selbst.

Natürlich berühren wir auch verschollene Regionen in uns, wenn wir plötzlich die Stimme laut und wild erheben, wo vorher nur Stillschweigen und Taubheit waren. Natürlich bewegt dies. Manchmal schüttelt es uns sogar.

So ist das, wenn wir mit Kunst in die Tiefe gehen.

Ich gehe in die Tiefe.
Ich begleite Menschen in ihren Körper.
Körper ist Tiefe.
In ihm ist alles von uns abgespeichert.

In diesem Artikel (link) sprach ich von Heilung.

Und ja, ich glaube tatsächlich daran, dass tiefe künstlerische Auseinandersetzung mit sich und seinem Leben Heilung bedeutet. Ich blicke auf mein eigenes Leben zurück und sehe überall, wie mein Inneres und mein Ausdruck parallele Wege gingen.
Wenn eine Seite wächst, tut es die andere unweigerlich auch.

Meine Arbeit ist Ausdruck.
Und deshalb auch Bewusstseinsarbeit.

Dabei kommen wir immer wieder an unsere Grenzen. Denn ich bin ein Mensch, der mit Grenzen arbeitet.
Ich lasse Menschen nicht in ihrer Gewöhnung sitzen. Das interessiert mich nicht. Und die Menschen im Grunde ebenso wenig, denn ihre Gewöhnung kennen sie ja schon, in- und auswendig.

Ich schubse sie in den Raum jenseits der Gewöhnung.
Das ist ein fantastischer Raum. Sehr sehr spannend.

Zeitgleich ist dies ein Raum, den beispielsweise traumatisierte Menschen nicht in dem von mir gebotenen Rahmen betreten sollten. Eben weil ich keine Therapiegruppen anbiete, sondern künstlerische Arbeitsgruppen.

So sind Menschen, die beispielsweise starke Berührungsängste haben, nicht am rechten Ort bei mir. Denn ich arbeite mit Berührung, auf allen Ebenen.
Die Menschen in meinen Kursen berühren sich unweigerlich. Keine Sorge, es geht nicht um wilde Fummelei, aber Körperarbeit in der Gruppe ist nunmal Körperarbeit in der Gruppe. Da kommt es schon vor, dass wir einen fremden Körper berühren, ja sogar halten.

So hat alles seinen eigenen Raum.
Und ich glaube, es ist wichtig, dass wir diese Räume respektieren.

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Foto:
Heike Zanini (link)

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