bauchpinseln

Es ist immer wieder verlockend, nicht wahr?
Sowohl sich selbst mal kräftig am Nabel zu kraulen, als auch Anderen grosszügig den Ranzen hinzurecken, um ein bisschen Bauchwärme zu spüren.

Ich verstehe den wohltuenden Charakter der Sache, klar, wer mich kennt, weiss, dass ich mir ständig am Bauch rumfummele. Dort, in meinem Atemzentrum. Dort, wo ich meine Ruhe finde. Dort, wo es dann auch umgehend stockt, sollte ich nicht im Einklang mit mir sein.

Bauchpinseln auf der konkreten Fleischebene ist geil.
Keine Frage.
Bauchpinseln auf der psychischen Ebene jedoch eher fragwürdig.
Denn auf dieser Ebene ist es das klare Verkleben mit der Identifikation.

Muss ich selbst mich in den Himmel loben, wie toll und genial und grossartig ich bin, dann klebe ich in der Identifikation.

Bitte ich die Anderen darum, mich zu feiern und sich mit Lobeshymnen über mich zu ergiessen, dann bin ich in der Identifikation.

Gebe ich mich ergeben den Lobeshymnen meiner Umwelt hin, ohne für mich klarzustellen, dass es eigentlich nicht um mich als Individuum geht, dann bin ich in der Identifikation.

Umgarne ich Andere mit bauchpinselnden Worten, beispielsweise um sie an mich zu binden, dann bin ich in der Identifikation.

Die Liste geht zweifellos noch weiter.

Wir nennen das natürlich anders.
Anerkennung.
Bewunderung.
Stolz.
Lob.
Etc.

Wie immer und bei allem kommt es auf das Mass an.
Und noch viel wichtiger:
auf die Intention.
Die offensichtliche und v.a. die versteckte Absicht, die dahinter steckt.

Es lohnt sich, sich gemütlich zurück zu lehnen, sich am konkreten Nabel zu kraulen, und mal ne Runde darüber nachzudenken.

 

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Foto:
Heike Zanini

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