ertappt!

Wenn wir ertappt werden, folgen die Ausreden.
Dieses Herumschlängeln, der Tanz der Ausflucht.

Neenee, du hast mich da falsch verstanden.
Neenee, so habe ich das nicht gemeint.
Neenee, das war doch keine Absicht. Bestimmt nicht meine Absicht.

Dann wiederum folgen neue ausweichende Gedankenkonstrukte, die versuchen, unsere Haut zu retten. In welcher Form auch immer.

Entweder wir definieren schnell unsere Aussage neu, so dass sie in den neuen Blickwinkel passt.
Oder aber wir holen aus und versuchen, die Entlarvung unglaubwürdig zu machen. Beispielsweise indem wir dem Anderen unterstellen, dass seine Wahrnehmung nicht stimmt.

Lese aufmerksam, Mensch.

Stell dir vor, ich mache etwas mit dir und du drückst daraufhin dein Empfinden der Situation aus und ich sage dir, deine Wahrnehmung ist falsch…

Lass das mal sacken.

Und?
Wie fühlt sich das an?

Ich habe zwei erwachsene Söhne.
Schon früh habe ich ihnen gesagt, sie sollen besser dazu stehen, wenn sie Quatsch gebaut haben. Besonders mir gegenüber, denn nur so konnte ich als Mutter mit ihnen gehen.
Ich erinnere mich noch an einen Moment, als sie mal wieder etwas angestellt hatten. Ich musste in die Schule, Frankreich ist da gnadenlos. Keiner darf aus der Reihe tanzen, alles wird sofort und sehr streng geahndet.
Und das eigene Denken wird von früh auf unterdrückt im Schulsystem. Auch innerhalb der Familien. Das Erziehungssytem ist komplett anders und wie immer, es hat sehr gute Seiten und auch sehr schlechte.

Nun, meine Kinder eckten eh oft an, da ich sie von klein auf dazu angefeuert habe, selbst zu denken. Wie oft sagte ich ihnen „hee, gib nicht klein bei, gib mir Argumente und wenn mich deine Argumente überzeugen, dann machen wir das anders!“
Mein zweiter Sohn sagte das dann oft in der Schule… „Tut mir Leid, aber meine Mutter hat mich so erzogen…“

Zurück zu meiner Vorladung als Erziehungsberechtigter.

Ich weiss nicht mehr, um was es genau ging, aber ich weiss noch, dass ich leidenschaftlich argumentierte basierend auf den Informationen, die mein Sohn mir gegeben hatte. Nur hatte er mir etwas verschwiegen, der Schelm. Etwas, was meine komplette Argumentation umgehend niederschmetterte.

Tja.
In unserer späteren Auseinandersetzung zuhause sagte ich ihm:
Kein Problem, jeder macht mal Unfug und dafür hat dich die Schule bereits bestraft. Das ist für mich erledigt.
Allerdings warst du nicht ehrlich zu mir. Du hast mir nicht alle notwendigen Informationen gegeben, sondern du hast etwas versteckt vor mir, was alles komplett anders beleuchtet.
Und aus diesem Grund bin ich dann ins offene Messer gelaufen.
Und das, mein Sohn, geht nicht.

Wir haben dann eine Strafe vereinbart.
Strafe, böses Wort, gell?
Ja, so nennt man das geläufigerweise, wenn wir für die Konsequenzen unseres Verhaltens einstehen.
Gell?
Ist doch auch spannend.

In späteren Situationen haben die beiden Kerle das immer klar gehabt.
Komm, wir spucken lieber alles aus, du weisst ja, sonst ist sie sauer.

Sie haben gelernt, zu sich zu stehen.
Auch in ihren Schandtaten.
Und schau an, so konnte auch ich zu ihnen stehen.
Ebenso in ihren Schandtaten.

Tja, und die Moral von der Geschicht:
Leugne deine Schandtat nicht.

Gell?


Foto:
Heike Zanini

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