hochpreisig ist meine scham – teil 6/6

Es war der Jubel über die Säue, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Nicht einmal die immer wiederkehrenden Abwertungen, an die hatte ich mich gewöhnt. Ich dachte, was soll’s, jetzt zickt es halt wieder im Tempel. Geht vorbei, wie jedesmal.

Das ist übrigens mein Grössenwahn.
Diese Überheblichkeit, zu denken, der Andere zickt halt rum.

Dann die Entschuldigung, weil da ja auch soviel Gutes im Anderen steckt, das er ausschöpfen könnte, vor allem wenn er mit jemandem wie mir arbeiten würde.
Purer Grössenwahn, sowohl die Aussage, das Gute bzw das Bessere im Anderen zu sehen, sein Potential sozusagen. Als auch der Gedanke, er solle mit jemandem wie mir arbeiten.

Sein Wissen sei Perlen vor die Säue…

Ich habe den Menschen inzwischen blockiert.
Wieder Grössenwahn.
Ich könnte sagen, ich will ja diese Energie nicht mehr erleben, und das ist eine Seite der Medaille. Sie ist Realität. Es gibt aber immer zwei Seiten einer Medaille, eine helle und eine dunkle. Die dunkle ist auch hier mein Grössenwahn, denn ich empfinde die Worte des Senders als unwert, von mir weiterhin gelesen zu werden.

Spannend, gell?
Ich sagte bereits, spüre ihm nach, deinem Grössenwahn, er ist dein bester Lehrer, wenn du ihm mutig ins Auge blickst.

Mein Schweigen und Wegschauen.
Auch hier lauert der Grössenwahn, denn die Haltung, die mich störte, war meinen Widerspruch nicht wert.

Der Jubel über die Säue…

Als ich sie sah, diese lachenden likes und Herzchen, Ingroup – Kommentare, alle unterstützend und bewundernd ob der klaren superiören Haltung, Aussagen von Menschen, die ich doch so anders, so menschlich und gerecht wahrgenommen hatte, da krachte es in mir.
Ich bekam Angst. Ich bekomme immer Angst, wenn ich finde, es wird undifferenziert (Achtung! Mein Grössenwahn blickt hier.) und so entschied ich, einer muss ja mal das Maul aufmachen und begann, meine kleine Serie zu schreiben.

Einer muss ja mal das Maul aufmachen = Grössenwahn.
Diese Texte schreiben = Grössenwahn.
Andere als so ganz anders wahrgenommen zu haben = Grössenwahn.
Menschen zum Denken bringen wollen = Grössenwahn.

Warum erkenne ich Grössenwahn?
Weil ich ihn selbst habe.
Weil wir ihn alle haben.
Weil wir alle Alles sind.

Das ist der grundlegende Punkt für mich:
Wir sind Alles. Jeder von uns.
Es geht darum, dieses Alles zu erfassen. Komplett. Gnadenlos.
Wir werden keine neuen Menschen, nein. Never.
Wir sind, was wir sind.
Wir können uns nur kennenlernen, bis in unsere tiefsten Abgründe. Von den Lichtseiten spreche ich jetzt nicht, weil die will ja jeder immer gleich haben und zeigen, gell? Vorsicht, gerade dort lauert nämlich wer…? Richtig, Geselle Grössenwahn.

Warum ich den Narren liebe?
Weil er alle menschlichen Abgründe liebevoll lachend in den Arm nehmen kann. Und noch wichtiger, weil er daraus etwas baut, einen Schwank, ein Werk.

Der Narr hat mich gelehrt, in meine Abgründe zu blicken. Sogar hineinzuspringen. Mit Haut und Haar in ihnen zu versumpfen. Um dann wieder aufzutauchen. In Liebe zu mir.

Wissend, dass ich keinen Deut besser bin als jeder Andere hier.
Wissend, dass ich jederzeit in den nächsten Abgrund stolpern kann und der Fall dann wieder schmerzhaft sein wird. Wie jedesmal.
Wissend auch, dass Schmerz nur Schmerz ist und zum Leben und Lernen gehört.
Wissend, dass ich noch unfassbar viele blinde Flecke zu ergründen habe.
Wissend, dass ich im Grunde nur so verdammt wenig weiss. Denn jeder Schritt, den ich nach vorne gehe in meiner Entwicklung, zeigt mir, dass ich noch viel viel viel mehr zu lernen habe, als ich glaubte.

Und all dieses Wissen ist natürlich auch wieder mein Grössenwahn. Denn wer bin ich schon, um zu sagen, dass ich weiss…?

Er lauert.
Überall.
Spüre ihn auf.
Freu dich, wenn du ihm begegnest.
Erkenne ihn an.
Er ist dein grösster Lehrmeister.

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