korrosion

Selten hat ein Mensch in einem einzigen Wort so klar die Kraft, die in mir wohnt, ausgedrückt.
„Du bist korrosiv für jedes System.“

Ja.
Wir hatten es beide begriffen. Umgehend.
Als wir voreinander standen, war es klar.
Und wir haben es beide ausgesprochen, nur eben verhüllt.

Ich sagte, ich sei der Antipol der Positionierung.
Ich stellte klar, was ich alles nicht wollte in meiner Positionierung, und listete alles bisher Ausgesprochene auf. Alles, was für alle Anderen zu funktionieren schien, war mir ein Greuel. Alles widersprach meinem Wertesystem.
Nicht umsonst steht auf meiner Visitenkarte dieser kleine feine Satz, der meine Haltung beschreibt.

Ja, und er wusste, dass ich die Kraft besitze, Systeme auseinander zu brechen.
Warum sollte ich in der logischen Konsequenz vor seinem System Halt machen…?

An dieser Stelle begann der Eiertanz.
Beidseitig.

Umgehend nach dem Lehrgang schrieben mich Menschen an.
Einerseits solche, die neugierig waren. Die selbst Interesse hatten, aber erst meine Meinung einholen wollten.
Ich war komplett überfordert.
Wieso schrieben mich jetzt Menschen an?
Ausserdem konnte ich nichts zum Ausdruck bringen. Ich hatte tief in meinen Abgrund geblickt, wusste, dass hier meine Herausforderung lauerte und wehrte mich mit Händen und Füssen. Ich konnte keine klare Haltung beziehen, mein Kopf war übervoll. Und ich bin langsam im Verdauen. Ich funktioniere da genauso wie auf meiner Körperebene. Ich verdaue langsam, und dann folgt der Sturzschiss. Dann werde ich sehr schnell. Rasant schnell.

Auch schrieben mich Menschen an, die mich ermutigten, noch mehr und weiter zu investieren. Klar, es wurde gepuscht von allen Seiten, gehört ja zum System.

Halte deine Freunde nahe bei dir, aber deine Feinde noch näher.

Welche Weisheit, gell?
Vergessen wir die Sache mit Freund und Feind, es geht wieder nicht um die Menschen, nur um die Positionen, die jeweilige Haltung.
In dem Augenblick, als ich entweichen wollte, bekam ich ein Geschenk.
Halleluja, es war ein Meisterzug der Strategie.

In meiner Welt hängt an einem Geschenk keine Erwartung dran. In meiner Welt ist ein Geschenk ein Geschenk. Punkt. Der Andere ist frei, damit zu tun, was er will. Auch, es nicht zu schätzen. Im Moment der Übergabe gehört es mir nicht mehr. Auf keiner Ebene.
Denn sonst ist es ja kein Geschenk, gell?

In meinem Kopf war das ganz klar, aber emotional hat es funktioniert.
Zack! Daumenschraube!
Ich fühlte mich anerkannt, gelobt, gebauchpinselt.
Und ich fühlte mich schuldig. Schuldig im Sinne von in-der-Schuld-stehen.
Denn ich wusste irgendwo in mir drinnen, dass dieses Geschenk nicht erwartungsfrei war. Es wirkte wie Schweigegeld.
Darf ich frei sagen, was ich denke?
Wirklich frei?
Weil dann bin ich doch undankbar, gell?

Ich sehe heute, dass ich Recht hatte.
Denn meine Undankbarkeit ist Teil der langen Liste, die mir vorgeworfen wird. Es war also kein Geschenk. Es war eine verkleidete Absicht.

Ich sagte es ja in meinem Video vor zwei Tagen. In allem versteckt sich immer ein Interesse. Immer.

Ein Mensch wie ich, der undankbar zu seinem Dienstleister ist, der muss natürlich genauso mit seinen Kunden umgehen, gell?

Ja.
So gehe ich mit den Menschen um, mit denen ich arbeite.
Ich mache Geschenke nur erwartungsfrei. Sobald ich eine Erwartung in mir spüre, gehe ich in mich und prüfe mich.

Ja.
Ich bin korrosiv mit allem.
Vor allem mit den Menschen, die zu mir kommen. Denn dafür kommen sie ja. Um alles wegzuätzen, was Fake ist.

Ja.
Ich bin zu meinen Kunden genauso wie zu meinem Dienstleister.
Klar.
Roh.
Und in gnadenloser Auseinandersetzung.

Korrosiv eben.

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