über den text

LE CRI (der schrei) sind Worte einer Frau, die 2006 aus einem kompulsiven Schreibstoss entstanden.

LE CRI (der schrei) ist ein Text über die anwesende Abwesenheit, das Nichtsein im Dasein. Ein Text über das Schweigen. Eine Tirade auf die Liebe, dem Wunsch nach tiefer Verbundenheit, sowie seiner Desillusionierung.

LE CRI (der schrei) ist der Ausdruck des besessenen Strebens nach Vereinigung und zeigt gleichzeitig den unweigerlichen Niedergang dieses Strebens auf.

LE CRI (der schrei) ist die Spurensuche nach der möglichen Natur einer liebenden Verbindung und die Autopsie einer Beziehung.

LE CRI (der schrei) ist die Leere, wenn in der Liebe nichts weiter bleibt als das Wort.

Ich wollte in meinem Schreiben die Figur in eine zirkuläre Dynamik stossen, einer Dynamik der Besessenheit. Am Ende des Textes finden wir uns am Anfang wieder und so geht es von vorne los, bis in alle Ewigkeit. Die psychische Struktur, die anfangs klarsichtig und gesund war, wird vernebelte Besessenheit.

Die Figur öffnet ihren Mund und unverzüglich stürzen Worte aus ihren Eingeweiden. Ähnlich dem Erbrechen. Ohne aufhören zu können entleert sich schwallartig ihr Inneres.

Da Französisch nicht meine Muttersprache ist, liess ich mich beim Schreiben vom Wortklang und Rhythmus leiten, ähnlich dem Komponieren. Ich suchte nach der Bewegung in den Worten, als wenn in meinem eigenen Körper eine wiegende Bewegung der Wortentleerung stattfinden würde.

Über zehn Jahre später habe ich schliesslich diesen Bühnenmonolog in die deutsche Sprache übersetzt. Ich habe versucht, dem Originaltext so treu wie möglich zu bleiben. Trotzdem musste ich manche Stellen neu überdenken, da ich in der französischen Version viel mit Klangassoziationen gearbeitet habe, die im Deutschen nicht funktionieren.

Ich möchte dies an einem Textauszug verdeutlichen.
Hier sehen Sie das Ende des 13. Bildes und auch das Ende des Textes in seiner Originalversion.

 

S’il y a bien quelque chose qui pourrait me manquer
Ce serait ton odeur
Tu sens le soleil
Tu sens la lune
Tu sens le sable
Tu sens...
Tu sens...

Du sang...
Sang...
Mon sang
Ce jour-là tu m’as aimée
Tu m’as fait rencontrer ton âme
Mon corps en sang
Écorché par la violence de ton âme meurtrie
Mon sang
Rouge clair sur fond de robe rose
Rouges cailloux
Rouge feu
Ce jour-là tu m’as aimée
Encore et encore
Encore
Encore
Encore
Tu me perces
Je te sens
Je te suis
Tu me guide
Tu me sens
Tu me suis
Je te sens
Je te suis
Je te...
Tu...


Je te tue.
Je te tue.
Je te tue.
Je te tue.
Je te tue.
Je te tue.

C’était bon.
C’était vraiment bon.
On pourrait encore faire l’amour de temps en temps.
On pourrait.
Comme ça. Des fois.


On pourrait...

 

„Tu sens…“ bedeutet hier „du riechst nach…“ oder „du duftest nach…“.
„Du sang…“ wird sehr ähnlich ausgesprochen, ist also eine Klangassoziation, bedeutet im Deutschen aber „Blut…“.

„Tu me sens, tu me suis.
Je te sens, je te suis.
Je te… Tu…
Je te tue.“
Auch hier stossen wir wieder auf dieselbe Problematik.
Übersetzt bedeutet dieser Abschnitt:
„Du spürst mich, du folgst mir.
Ich spüre dich. Ich folge dir.
Ich dir… Du…
Ich töte dich.“
In der Übersetzung musste ich also diese Klangassoziationen neu bearbeiten bzw. ganz anders angehen. Wie genau ich diese Hürden  genommen habe, können Sie bei einer Kammerlesung erleben.

 

Selbstverständlich können Sie die Kammerlesung auch in französischer Sprache buchen.

Melden Sie sich bei Interesse einfach bei mir.

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Hier erfahren Sie mehr über das Projekt.
Hier kommen Sie zu einem Textauszug.
Und hier zur Tournee.
(Gestaltung der Postkarten: Elodie Perilhonlink – )

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